Bedingt durch das Fehlen gesetzlicher Regelungen weist das Büchereiwesen in den Bundesländern große Unterschiede auf. Infolge fehlender überregionaler Koordination ist der Standard Öffentlicher Büchereien davon abhängig, inwieweit sich Gemeinden, Städte und sonstige Träger engagieren und das Land fördert. Die Unterschiede in den Ländern sind dabei extrem und leider ziemlich unverändert. Während die Gesamtaufwendungen für Büchereien um 9,3 % gestiegen sind, sind die Ankaufsausgaben nur um 4 % gestiegen.
Wenn man die Statistikdaten der Büchereien der Bundesländer in klassische Leistungskennziffern umrechnet, lassen sich folgende Aussagen treffen:
Die Gesamtausgaben für Öffentliche Bibliotheken betragen im Burgenland 1,77 € pro EinwohnerIn – der Durchschnitt in Österreich liegt aber bei 6,87 €! An der Spitze finden sich Vorarlberg und Wien. Unter dem Durchschnitt liegen in fallender Folge Oberösterreich, die Steiermark, Niederösterreich, Kärnten, Tirol und das Burgenland.
Die Mittel für den Medienankauf schwanken zwischen 32 Cent pro EinwohnerIn (!) im Burgenland und 2,24 € in Vorarlberg. Der Österreich-Durchschnitt liegt bei 91 Cent. Darunter bleiben mit fallenden Beträgen Tirol, Steiermark, Niederösterreich, Kärnten und Burgenland.
Die wenigsten Medien pro EinwohnerIn gibt es in Niederösterreich mit 1, es folgen Wien, Burgenland und Kärnten mit 1,1 und die Steiermark mit 1,2. Die meisten Medien pro EinwohnerIn gibt es in Vorarlberg mit 2,5, der österreichische Schnitt liegt bei 1,4 Medien pro EinwohnerIn.
Jedes Bücherei-Medium wird im Schnitt in Österreich 1,8 Mal entliehen. An der Umsatzspitze liegt hier Wien mit 3,2 Mal, gefolgt von Vorarlberg mit 2,6 Mal. Zunehmend unter dem Schnitt liegen auch hier Tirol, Steiermark, Niederösterreich, Kärnten und das Burgenland in fallender Reihe.
Die Entlehnungen pro EinwohnerIn sind am geringsten im Burgenland mit 0,6, gefolgt von Kärnten mit 0,9 – in Salzburg werden 4,1, in Wien 3,5 und in Vorarlberg sogar 6,4 Entlehnungen pro EinwohnerIn erreicht, der österreichische Schnitt liegt bei 2,6 Entlehnungen pro EinwohnerIn.
In Kärnten benutzen 5,2 % der Bevölkerung die Öffentlichen Büchereien, im Burgenland 6,2 %, in Niederösterreich 7,4 %, in der Steiermark 10,8 %, in Wien 12,6 %, in Oberösterreich 14,3 %, in Tirol 14,4 %, in Salzburg 14,5 % und in Vorarlberg 27,8 % (!) – der österreichische Schnitt liegt bei 12,6 % BenutzerInnen in Öffentlichen Büchereien.
Die Erneuerungsquote gibt an, wie viel Prozent des Medienbestandes die Büchereien im Jahr ersetzen können, um Abnutzung und Veralterung auszugleichen und das Angebot attraktiv zu halten.
Auch hier bietet sich das leider schon vertraute Bild: Im Burgenland liegt sie bei 3,3 %, in Kärnten bei 4,6 %, in Niederösterreich bei 5,2 %, in Tirol bei 6,9 %, in der Steiermark bei 7,3 %, in Oberösterreich bei 9,2 %, in Salzburg und Vorarlberg bei 10,2 % und in Wien bei 11,6 %. Im Durchschnitt können Österreichs Öffentliche Büchereien 8,3 % ihres Medienbestandes im Jahr erneuern.
Von einem österreichischen einheitlichen Bibliothekswesen kann man angesichts dieser Zahlen nicht sprechen!
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